#2 – Wir haben noch Platz

Nun habe ich schon sehr lange nichts mehr gepostet, durch COVID-19 bedingt ist seit dem Urlaub im Februar letzten Jahres auch nichts wirklich Aufregendes mehr in unserem Leben passiert – keine Urlaube und Ausflüge in den Garten zu den Freunden waren auch zeitweise nicht erlaubt. Das Leben war sehr ruhig im letzten Jahr.

Hinzu kommt Curtis zunehmendes Alter, unser gemeinsamer Alltag fängt deutlich an, ein Alltag mit einem älteren Hund zu sein… Trotz aller Ängste und Befindlichkeiten entwickelt Curtis eine Art Altersweisheit, er zittert und bibbert zwar noch immer aber ich denke manchmal das ist eher das vegetative Nervensystem und tiefsitzende Erfahrungen als akute Ängste (Curtis steht mit mir vor der Haustür, ich schnacke mit Freunden, er beschnüffelt seine Kumpels – und zittert und bibbert). Oft habe ich den Eindruck, dass er mehrfach überlegt ob er sich etwas zumuten soll: „Hm… Renne ich jetzt dem Hasen hinterher? Och nee, lass mal…“, „Den sollte ich jetzt wohl mal richtig verbellen! Mache ich nächstes Mal – der kommt wieder“.

Curtis will auch nicht mehr stundenlang draußen rumlaufen, an heißen Tagen am liebsten gar nicht mehr. Ist schon ok, ich werde ja auch nicht jünger. Passt schon. Wir haben unsere Gewohnheiten und Rituale, liebgewonnene und lange eingeübte. Auch das passt schon. Wenn ich ein Bild malen sollte würde ich sagen unser Leben ähnelt der Elbe, ruhig und verlässlich fließt es vor sich hin.

Das ist ok und auch sehr schön. Aber vielleicht auch nicht genug für die nächsten Jahre.

Da geht noch was!!!, dachte ich mir.

Nummer 2!

Ein bisschen mehr Spannung täte uns wohl beiden gut, so die Idee, wir haben in unserm Alltag Raum für was Neues und ein kleines Abenteuer. Zudem möchte ich gerne einem weiteren Hund aus dem Tierschutz eine Chance auf ein glückliches Leben geben, geliebt, umsorgt und versorgt. Nach langen Gesprächen mit den Trainern von der HuTa und gründlichen, wochenlangen Nachdenkens habe ich mich also entschlossen – #2 soll einziehen! Curtis wird bis ans Ende aller Zeiten #1 bleiben, aufrücken ist nicht möglich, der Platz als Superhund ist vergeben.

Da mir Curtis einst zugeflogen ist, in des Wortes Sinne und wortwörtlich, lebte ich in dem Glauben es sei total einfach einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptierten. Genau genommen sind meine Voraussetzungen jetzt auch viel besser denn ich habe nun Hundeerfahrung. Weit gefehlt… Ich habe dabei so einiges erlebt.

Damit unser Familienzuwachs gut zu uns passt, hatte ich mir nach den Gesprächen mit den HuTa-Leuten ein paar Kriterien zurechtgelegt, ansonsten kann man sich ja leicht im Netz verlieren denn hunderte von wunderbaren Hunden suchen ein Zuhause. Ich suchte also einen

  • Kleineren Hund als Curtis, um die 40 cm
  • Jüngeren Hund, kein Welpe aber vielleicht zwischen 3 – 6 Jahren alt
  • Hund auf Pflegestelle damit wir uns beschnuppern können und vielleicht auch probewohnen
  • Fröhlichen Zeitgenossen der (oder die, ist egal) sicher im Leben steht
  • Begleiter der mit mir die Gegend unsicher machen mag
  • Keinen Extremsportler oder ‚Bello‘.

Eigentlich doch nicht so schwer, würde man denken. Yep, würde man… Die oben genannten Suchkriterien im Netz eingegeben, Beschreibungen durchgelesen – hmmmm, ja – das könnte passen. Hingeschrieben – ich biete

  • Liebevolles Zuhause
  • Erdgeschosswohnung mit nur 5 Stufen
  • Super Ausflüge ins Grün und in den tiefen Wald
  • Gemeinsame Urlaube in der Pampa, mitten im Grün oder im tiefen Wald
  • Nie lange Alleine-sein-müssen
  • Einen Kumpel zum gemeinsamen Abhängen und Chillen
  • HuTa-Besuche zum irren Toben und Buddeln.
  • Tierarzt, köstlichstes Fressi – was der Hund begehrt.

… und wurde regelmäßig abgelehnt.

Entweder meine Bewerbung wurde nur auf bestimmte Begrifflichkeiten gescannt und ich fiel durch das Raster oder es wurde nicht vernünftig gelesen bzw. interpretiert. Das Ergebnis war das Gleiche, ich bekam eine Ablehnung nach der anderen weil:

  • Ich keinen Garten habe.
  • Ein Hund nicht viele Stufen gehen sollte.
  • Ein Hund nicht den ganzen Tag allein sein sollte.
  • Ich den Hund ja sowieso in die HuTa geben will.
  • Es nicht sichergestellt ist, dass der Kandidat spielen und toben wird.
  • Ich mich mit dem Hund beschäftigen muss und ihn nicht den ganzen Tag Abhängen und Chillen lassen kann.

Es gab aber auch Antworten, die mich vom Glauben abfallen ließen:

  • Pflegestelle machen wir nicht, der Hund ist noch im Ausland – die Adresse ist die der Tierschutzorganisation, sonst werden wir ja nie einen Hund los.
  • Ach so, ja das Alter… Nee, der ist vielleicht doch deutlich älter… Kann man so nicht sagen, ist ja nur vor Ort geschätzt.
  • Ein ganz toller Hund – macht nichts das er beißt/ große Ängste hat/ sich nicht mit anderen Hunden versteht/ nicht Autofahren mag und sich dann übergibt etc. – oder?
  • Noch ist er nicht so wirklich umweltsicher, also eigentlich hat er noch keine Umwelterfahrungen, aber er ist ja erst 5, das lernt er sicher ganz schnell!

Frust. Frust Frust. Hans von der HuTa hat mich wiederaufgebaut „Meine Hunde würde ich Dir jederzeit geben“, „Soll ich mich mal bewerben und gucken, ob die mich in Betracht ziehen oder auch gleich ablehnen wg. Vollzeitarbeit, keinen Garten, etc. etc.?“.

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