Rute ab

Bei dem Erste-Hilfe Kurs unserer Tierärztin hatte ich ja keine rechte Gelegenheit das Anlegen von Verbänden zu üben (siehe frühere Blogs), über die Zeit gab es doch hier und da mal eine Möglichkeit denn nicht immer kann Hund lässig im T-Shirt laufen. Manchmal verletzt sich ja ein Hund an Stellen, bei denen ein T-Shirt nicht hilft – er kommt mit tiefen Kratzern an den Beinen aus dem Gebüsch, hat nach Häschenjagd im Brombeergebüsch blutige Ohren, oder amputiert sich auch mal die Spitze seiner Rute. Wie auch immer er das hinbekommen hat…

Kurz vor Weihnachten 2015 war bei uns die Hölle los:

Mittwoch mittags erhielt ich einen Anruf von der HuTa, Curtis hätte sich auf dem Gelände verletzt und müsse zum Tierarzt – er wäre total blutverschmiert, sei dabei aber ganz fröhlich und augenscheinlich ohne Schmerzen denn er benähme er sich wie immer. Da Curtis ja nur mir vertraut wäre es gut, wenn ich ihn abholen und mit ihm zum Tierarzt fahren könnte

Ich also alles stehen und liegen gelassen und zur HuTa getobt. Da kam auch schon der Wagen mit allen Hunden, Curtis hopste aus dem Auto, knallvergnügt aber mit verbundenem Schwanz – er hat sich irgendwie den Schwanz verletzt und ist damit lange herumgelaufen, daher war er komplett blutverschmiert. Irgendwann kam er quiekend unter den Büschen hervor, die ganze Hundemeute vom Geruch des Blutes angezogen hinter ihm her. Beide Betreuer gaben sich alle Mühe ihm seine Rutenspitze zu verbinden, dennoch reichte die Blutmenge um die Betreuer und auch alle Hunde miteinzubluten.

Curtis gepackt und zu unserem vertrauten Haus-TA gefahren, TA hatte aber noch Mittagspause und kam erst in einer Stunde wieder. Was tun, jetzt zu einem anderen TA irgendwo in HH zu fahren bringt auch nix, dauert genauso lange? Wir also in den Volkspark gleich nebenan, pinkeln. Curtis störte sich jedoch an dem Verband, 3 x schütteln und das Ding flog. Blut überall. Handtuch drumgewickelt, Curtis ins Auto gesetzt, beim TA vor der Tür gewartet. Alles vollgeblutet.

TA kam aus der Mittagspause und war völlig entsetzt da ein Auto auf dem TA Parkplatz stand und die Haustür blutverschmiert war.

Es stellte sich heraus, dass Curtis sich – wer weiß wie – einen kleinen Zipfel seiner Rute selber amputiert hat. Da in der Rutenspitze ganz wenig Nerven sind, machte ihm das nix, daher das fröhliche Rumgerenne. Unsere Tierärztin musste noch ein kleines bisschen mehr amputieren damit Haut zum Vernähen verfügbar war. Bis um 16 Uhr waren wir in der Praxis, Curtis war durch den Blutverlust und die anschließende Narkose so hinüber, dass er erst nach Stunden, wenn auch noch immer ziemlich bedröhnt, ins Auto klettern und Zuhause auf seinen Sessel krabbeln konnte.

Curtis lag dann dösend in seinem Sessel und ich wusch mit einem Waschlappen stundenlang Blut aus seinem Fell.

Statt nun mal fleißig was zu trinken um den Blutverlust zu kompensieren, hing Curtis jedoch nur rum, trank nix, fraß nix, war ganz apathisch. Ich ging Brühe kochen…

Und ich verband in den kommenden Wochen meinen Hund, immer und immer wieder denn ein Verband am Rutenende hält überhaupt nicht, einmal wedeln und – zack – ist er wieder ab. Daher durfte Curtis auch nicht in die HuTa, das können die Betreuer einfach nicht leisten, also hing mein Hund zuhause rum, ließ sich nach jedem Gassigang neu verbinden, langweilte sich bärig und leckte in unbeobachteten Momenten am neu gebastelten Verband. Ich gebe es zu, ich habe ihn irgendwann dann auch richtig angemeckert „Nun lass das Ding doch endlich mal in Ruhe! Du könntest schon lange wieder in die HuTa gehen, wenn Du Dich nicht so dusselig anstellen würdest!!!“. Kein Moment souveräner Hundeführerschaft, keine Glanzleistung.

Alles ausprobiert um einen einigermaßen haltbaren Verband hinzubekommen, meterweise Pflaster, Mullbinde doppelt und dreifach, verklebt mit Verbandskleber etc… 3 x Schütteln, zack – das Teil flog. Und so hatte ich denn die blendende Idee, Curtis eine Socke über den Verband zu ziehen und die Socke ganz weit oben ganz doll zu verkleben. Das hielt doch tatsächlich ein bisschen länger – sah nur selten doof aus.

Merke: Wer einen Curtis zuhause hat, sollte immer einen Vorrat an Socken haben!

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